Schweisshelm ist Schweisshelm… oder doch nicht..?

Ich möchte mich in diesem Beitrag mit einem Thema auseinandersetzen, welches Uwe und mich in unserer täglichen Arbeit begleitet. Dies sorgt auch oft dafür, dass unsere Großhirnrinde den Job, die Amygdala in Schach zu halten, nicht ganz so funktioniert, wie sie soll. Dieser Effekt sorgt dafür, dass wir wütend werden. Wut ist kein guter Begleiter, jedoch kann ich von mir sagen, dass meine Großhirnrinde ein ziemlicher Ausdauersportler ist. 😉

In der Schweisstechnik sind Sie unerlässlich. Die Schweisshelme

Nun kann man sich als Anfänger die Frage stellen, brauche ich einen Helm im mittleren dreistelligen Bereich, oder taugt hier auch der Helm aus dem Baumarkt meines Vertrauens? Online bei den bekannten Ramschbörsen, gibt es tatsächlich noch günstigere Halbhelmschalen. Ja richtig gelesen. Mit Schweisshelm, wie ich es verstehe hat das nicht viel zu tun. Der Industrieschweisser, aber auch der ambitionierte Schweisser, hat gewisse Erwartungen an seinen Helm. Aber welche sind das überhaupt?

Ich habe selbst eine gut 25-jährige Karriere in der Schweisstechnik. Natürlich hatte man in diesen Jahren viel auf oder vor dem Kopf. Anfangs war es ein normales Schild mit Schweissgläsern in den Stufen 9, 10 oder 11. In einer Hand den Elektrodenhalter und in der anderen das Schild. Natürlich bedarf es da eine gewisse Koordination, vor allem wenn man Anfangs mit der Elektrode auf der Suche nach dem perfekten Startpunkt ist. Schild zur Seite, fix gucken mit dem Bud Spencer Augenkneifer. Zack wieder reingeguckt. Meine Mutter hat oft Ihre Kartoffeln vermisst, weil ich mal wieder Kartoffelschale auf den Klüsen hatte. Irgendwann wurde aus dem Schild ein Helm mit Gläsern und im Laufe der Jahre kamen einige Schweisshelme dazu. Mein tägliches Blickfeld, war also stets leicht grün oder blau angehaucht. Diese Erfahrungen wollte ich aber nicht einfach ungefiltert an Euch weitergeben. Daher habe ich in den vergangenen Tagen, bevor ich diesen Bericht niedergeschrieben habe, mit verschiedenen Schweissern gesprochen. Ich wollte wissen, auf was sie Wert legen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Helmen gemacht? Ist es für sie ein Mittel zum Zweck oder legen sie enormen Wert auf den Helm und seine Features?

Ich kann eine Sache schon mal verraten. Ich kannte die meisten ihrer Antworten schon, ohne dass ich gefragt habe. Warum? Ich bilde Schweisser in der Schweiz aus und komme als Schweissaufsicht durch die verschiedensten Firmen. Da lernt man den Menschen hinter der Scheibe oder Blendkassette, ein wenig kennen.

Bevor ich mich mit Schweisshelmen beschäftige, möchte ich nochmal kurz auf die von mir betitelten Halbhelmschalen, mit Sonnenbrillenoptik vom Wühltisch beschäftigen. Diese Modelle haben mit einem Schweisshelm nichts zu tun. Und da spreche ich nicht nur von einem Optrel, Speedglas oder ESAB. Nein auch Helmschalen mit genormten Schweissgläsern, haben absolut ihre Berechtigung. Sie sind zuverlässig und täuschen das Auge nicht. Die meisten Schweisser, die in unser Firma beschäftigt sind, arbeiten nur mit diesen Helmen. Die Jungs im Pipelinegewerbe, tragen gerne Pancakes. Diese haben einen unheimlichen Vorteil. Sie sind extrem leicht und beschlagen nicht von innen. Die meisten Modelle, die ich kenne, tragen sich wie eine Skibrille und haben vorne eine runde Scheibe aufgesetzt. So kommt der Atem, gar nicht ans Glas. Aber auch hier wird mit genormten und geprüften Schweissgläsern geschweisst.
Dies ist bei dem 40.-€ Geschwür, ein Punkt, dem ich einfach nicht vertrauen kann. Jeder der so eine Murmel mal auf dem Kopf hatte, wird nach einer gewissen Zeit merken, dass die Augen anfangen zu tränen und dass man ziemlich müde Augen bekommt. Hinzu kommt die oftmals schlechte Verarbeitung, ein Kopfband welches einen die angesprochene Großhirnrinde schrumpeln lässt. Normbezeichnungen wie die EN379 werden ganz gerne mal beiseitegelassen, um mehr Geld in spannende Designs zu investieren. Getreu nach dem Motto: Scheiss auf die Augen, der Totenkopf mit Flammen, wird das schon wuppen. Ich wette der Augenarzt eines Geschädigten lässt sich einen Sticker für sein schickes Cabrio machen. «Idioten finanzierten mir diesen geilen Schlitten».

Ich durfte vor einigen Wochen die Firma Optrel AG in der Schweiz besuchen. Hier konnte ich sehen, dass jede Blendkassette in der Produktion ganze fünfmal auf einer Teststation kontrolliert wird. Jeder Quadratzentimeter wird dort abgefahren und protokolliert. Ja, richtig gelesen. Diese Helme haben Zertifikate und Chargennummern, die es dem Endverbraucher möglich machen, die ganze Produktionshistorie nachzuvollziehen. Aufkommende Probleme können so fachgerecht aufgearbeitet werden. Aber damit nicht genug. Man geht hier noch weiter.
Die Helme werden mit einer Kugel aus einer genormten Distanz beschossen. Mit etwa 130 Klamotten, werden die Helme mit einer Stahlkugel beschossen. Die Kugel hat auf der Rückseite nichts zu suchen und dies ist wohl auch in Eurem Interesse. Dies kommt von der Verordnung welche auch Bauhelme qualifiziert. Optrel hat auch eine Wärmekammer, um das Material auf Hitze zu prüfen. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich gehe sehr stark davon aus, dass Hersteller die was auf sich halten, alle diese Tests machen.

Machen das Abballern und Flambieren eines Helms jetzt den Geldbeutel von uns Kunden leichter? Meine Antwort lautet JA. Aber nicht nur dieses Prozedere ist dafür verantwortlich. Es ist die Qualität und die Forschung in den Blendkassetten. Das Herzstück eines jeden Helms. Die Technik die mit in dem Helm verbaut ist. Wie präzise lässt sich mein Helm einstellen, oder macht er das sogar von allein? Wie schnell öffnet sich mein Sichtfeld wenn der Lichtbogen erlischt? Schliesst sich die Blende, wenn neben mir die Sonne durchs Fenster ballert, oder mein Kollege neben mir zündelt?
Wie sieht es mit dem Tragekomfort eines Helms aus? Gibt mir der Helm die Möglichkeit die Parameter auf meine Bedürfnisse einzustellen? Hochwertige Helme können all diese Attribute regulieren. Sie unterscheiden sich sicherlich teilweise in der Herangehensweise, der unterschiedlichen Hersteller, aber alle Big Player verfolgen das Ziel, den Kunden bestmögliche Qualität zu liefern.

Bei meiner Recherche habe ich von einem krassen Fall gehört. Ein Billigpott aus dem Baumarkt, öffnete beim Schweisser einfach nach Lust und Laune. Als er sich einen neuen Helm gekauft hat, sollte seine Frau Bilder und Videos für seinen YouTube Kanal machen. Zur Sicherheit setzte sie sich den besagten Helm auf. Das Video ist fertig geworden und seine Frau musste Abends ins Krankenhaus, weil sie sich ihre Augen total verblitzt hat. Besser wäre dieses Video nie zu Ende gebracht worden und seine Liebste hätte sich den Schmerz erspart.

Dies steht und fällt aber auch mit der fachlichen Beratung vom Verkäufer. Es gibt Händler die hochwertige Spitzenhelme, wie Optrel, Speedglas oder ESAB aus dem Regal heraus verscherbeln und dem Kunden nicht den nötigen Support zukommen lassen. Entweder wissen viele gar nicht was sie da verkaufen, oder sie haben schlichtweg keinen Bock darauf. Wie stelle ich das Kopfband richtig ein? Wofür steht Delay? Welche Hellstufe kann der Helm leisten? Besitzt er ein echtes Farbspecktrum oder bewegen wir uns noch immer im grün blauen Wunderland? Viele Helme verfügen über eine Grind Funktion, die es dem Anwender ermöglicht, per Knopfdruck das Schleifen zuzulassen. Könnte ein Vorteil sein, oder? Ich selbst wollte die Funktion der Grindtaste nicht mehr missen. Auch das echte Farbspecktrum bietet mir unheimliche Vorteile. Ich schweisse auf Gehör und nach Betrachten des Schweissbades. Wenn ich erkenne, dass mein Bad zu heiss wird und der ganze Quark gleich ein von Materie umgebenes Nichts verursacht, kann ich reagieren. Ich will das mein Schweissbad mir gehorcht und das macht was ich will. Wenn das Schweissbad die Kontrolle übernimmt, suche ich mir eine andere Beschäftigung. 😉

Ein wichtiger Punkt ist in meinen Augen auch das Beschaffen von Verschleissteilen.
Wenn ich im Land der aufgehenden Sonne hoffen muss, dass man für meinen Kübel auch Ersatzteile bekommt, wird man bei Markenprodukten in der Regel immer seine Verschleissteile bekommen.

Uwe und ich sind uns da ziemlich einig, dass man diese Qualitäten nicht fürn Appel und Ei bekommt. Forschung, Innovation, Patente, Qualität und Zweckmässigkeit, liegen bei den Firmen nicht vor der Firmenzentrale auf dem Hof. Dies ist harte Arbeit von Menschen, die sich einem Ziel verschrieben haben. Sie wollen uns mit ihrem Produkt, zufrieden stellen oder gar verblüffen. Diese Menschen und deren know how haben ihren Preis. Wenn man sich stets verbessern will, muss man richtig Gas geben.

Wir wollen und werden hier nicht Werbung für den einen Helm, oder die eine Marke machen. Aber wir möchten Euch hier einen Rat ans Herz legen. Die Gesundheit und Sicherheit muss immer über dem Geldbeutel liegen und darf nicht ausser Acht gelassen werden. Es gibt auch nicht den einen Helm, der für jeden von Euch der richtige ist. Oft entscheidet auch der Schweissprozess oder seine Herausforderungen welche Art von Helm für Euch Sinn macht.

Ihr könnt Euch gerne in der Welding Lounge oder bei uns, bei der Firma sta melden und wir beraten Euch.